Nomen est Omen 1967

Siegfried Cremer



Der Restaurator

Siegfried Cremer








Nach Bildhauerlehre und Kunststudium entschloss sich Siegfried Cremer 1952, dem Vorbild seines Bruders Leo Cremer, der kurz zuvor als Restaurator an der Alten Pinakothek in München eingestellt worden war, zu folgen. Im April begann er eine dreijährige Ausbildung zum Restaurator am Landesmuseum Münster bei Fritz Kuchel, wo er insbesondere an der Restaurierung verschiedener mittelalterlicher Skulpturen beteiligt war.


Im April 1955 trat er seine erste Stelle als Restaurator am Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld an. Zunächst widmete er sich vor allem alten Gemälden und Skulpturen, gelegentlich auch Bildern der klassischen Moderne. Mit dem bei Direktor Paul Wember bald und in zunehmendem Maße wachsenden Interesse an zeitgenössischer Avantgardekunst war sein Restaurator nicht nur in den Ausstellungsaufbau involviert und mit der Beseitigung von Transportschäden beschäftigt. Sein handwerkliches Geschick, sein technischer Sachverstand, sein künstlerischer Blick und seine von großer Begeisterung für die Avantgardekunst getragene Kreativität im Umgang mit Materialien führten vielmehr dazu, dass er die Künstler auch beriet und aktiv unterstützte bei der Herstellung und Vollendung ihrer Werke vor Ort. Dazu gehörten Krefelder und Düsseldorfer Künstler wie Herbert Zangs und Günter Uecker ebenso wie internationale Künstler, von Berto Lardera bis zu Yves Klein und Jean Tinguely, an dessen ‚Maschinenbild Haus Lange’ Cremer wesentlichen Anteil hatte.


Neun Jahre später wechselte Siegfried Cremer im Juli 1964 nach Stuttgart als Leiter des Restaurierungsateliers der Staatsgalerie. Sein spezifisches Interesse an der Kunst des 20. Jahrhunderts und insbesondere an Avantgardekunst, und sein restauratorisches Können auf diesem damals noch kaum wahrgenommenen Gebiet führten dazu, dass er die künstlerischen Nachlässe von Willi Baumeister, Adolf  Fleischmann, Friedrich Vordemberge-Gildewart und vor allem von Oskar Schlemmer restauratorisch betreute. Galeristen wie u.a. Reckermann in Köln und Müller in Stuttgart wandten sich des Öfteren an ihn, und auch die Zusammenarbeit mit Künstlern bei der Verwirklichung ihrer Ideen setzte sich fort, allen voran mit Dieter Roth, an dessen ‚Schimmelinseln’ Cremer beispielsweise aktiv mitwirkte.


1967/68 beschäftigte sich Siegfried Cremer auf Anfrage von Werner Schriefers, seit 1965 Direktor der Kölner Werkschulen, mit der Einrichtung eines Ateliers für Restaurierung und Restauratorenausbildung an den Kölner Werkkunstschulen.

Cremer schlug ein Zentralinstitut vor für alle Museen des Rhein-Ruhr-Raumes ohne eigenen Restaurator, das der Restaurierung der Sammlungsbestände ebenso wie der Ausbildung zum Restaurator von Gemälden und Skulpturen insbesondere des 20. Jahrhunderts nach musealen Gesichtspunkten und zugleich der Forschung dienen sollte. Auch ein Atelier für Aufgaben der Denkmalpflege sollte zu Ausbildungszwecken einbezogen werden. Das  fortschrittliche Vorhaben scheiterte, und vieles von dem, was Cremer damals gleichermaßen für alte und moderne Kunst einforderte, sollte erst viel später selbstverständlich werden für die restauratorische Ausbildung, für Praxis und Forschung.


Der Restaurator 1961

Restaurierungswerkstatt Kaiser Wilhelm Museum Krefeld, ca. 1962

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