Nomen est Omen 1967

Siegfried Cremer



Akademietätigkeit









Unter Norbert Kricke, 1964 auf den Lehrstuhl für Bildhauerei und 1972 als Nachfolger Eduard Triers zum Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie berufen, wurde der freien Kunst Priorität eingeräumt, und neue Lehrstühle eingerichtet für Malerei, Bildhauerei, Photographie, Video und Film, für Maltechnik, Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, ästhetische Theorie und die Integration von Bildender Kunst und Architektur. Außerdem initiierte Kricke die Einführung eines Orientierungsbereiches.

Nach Kamp und Schwegler (1973), Hüppi, Kneidl und Uecker (1974), Rinke und Spies (1975), Becher, Biemel, Gomringer, Graubner, Kimme, Konerding, Megert und Reusch (1976) wurden 1977 Cremer und Stirling berufen, im Jahr darauf Krieg und Klapheck, 1979 Paik.


Seine Bewerbung auf die Professur für Maltechnik begründete Siegfried Cremer mit seinen komplexen Erfahrungen und Kenntnissen als Künstler wie auch und im besonderem Maße als Restaurator vor allem von Kunst des 20. Jahrhunderts:

"Durch die Arbeit am Bild lernt der Restaurator dieses in seinen Materialzusammenhängen, seiner Materialstruktur und Maltechnik so genau kennen wie sonst nicht möglich."


Mit seiner Ernennung zum Professor am 25. April 1977 wurde er Inhaber des Lehrstuhls für Maltechnik im Fachbereich I (freie Kunst). Bereits kurz darauf zum stellvertretenden Direktor gewählt, musste er aufgrund einer mehrmonatigen Erkrankung Krickes gleich im Juni die Dienstgeschäfte des Direktors ausüben. Anschließend blieb er noch bis zum Sommer 1978 Stellvertreter.


Erst nach Krickes Rückkehr konnte Cremer für das Sommersemester 1978 erstmals Veranstaltungen anbieten: ein Kolloquium zur Einführung in die Maltechnik, eine Vorlesung über Maltechnik mit Bildbeispielen (Dia / Film) alter und neuer Meister sowie eine praktische Übung. Bereits im Wintersemester 78/79 wurde die Vorlesung eingestellt zugunsten zweier praktischer Übungen, jeweils mittwochs und donnerstags von 10 bis 17 Uhr. Im folgenden Semester bot Cremer noch eine weitere praktische Übung am Dienstagnachmittag, nach dem Kolloquium, an. Dieses Programm behielt er mit geringfügigen Variationen bis zu seiner Emeritierung im Sommer 1994 bei. Der Malermeister Theodor Ramrath, seit 1977 als technischer Angestellter in der Kunstakademie tätig, wurde aufgrund seiner großen Erfahrungen im Umgang mit Malmaterialien schon bald sein Assistent, der die praktischen Übungen im Laufe der 80er Jahre weitgehend selbständig durchführte.


In dem 1980 herausgegebenen Who's who der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, Hochschule für bildende Künste wird Siegfried Cremer zu seiner Tätigkeit wie folgt zitiert:

"Maltechnik sehe ich in ursächlichem Zusammenhang mit der Verwirklichung künstlerischer Vorstellungen, d.h. die Wahl der Technik ist eine erste künstlerische Entscheidung. Für mich reduziert sich Maltechnik nicht auf das Problem reiner Dauerhaftigkeit von Malmaterialien, sondern stellt die Aufgabe, dem Studierenden das weite Spektrum von Realisierungsmöglichkeiten zu eröffnen."


Die Maltechnik stand Studierenden aller Semester offen, und wurde von den meisten auch nicht kontinuierlich genutzt, sondern zu Übungszwecken und vor allem bei speziellen Fragen zu Materialien und Techniken gezielt aufgesucht. Eine eigene Klasse hatte Siegfried Cremer also nicht, doch konnte er Studierende aufnehmen und fördern wie jeder andere Professor auch. Im Laufe der Jahre bildete sich dann unter ihnen ein klassenähnlicher Verband. Unter anderem studierten Erika-Maria Riemer-Sartory und Brigitte Trennhaus bei ihm.


Nach seiner Emeritierung Ende Juni 1994 blieb die Maltechnik nicht länger Bestandteil des Fachbereichs Kunst, sondern wird seitdem unter den künstlerisch-technischen Einrichtungen aufgeführt. Nachfolger von Siegfried Cremer wurde Otto Hubacek als künstlerisch-technischer Lehrer.

v.l.n.r.: Norbert Kricke, Siegfried Cremer, Nam June Paik (Foto: Archiv)

v.l.n.r.: Norbert Kricke, Siegfried Cremer, Nam June Paik, ca. 1979

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